Niedermair Chronik Teil 1

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Wir bitten um Verständnis.

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Vorwort

 

Wer die Heimat nicht ehrt,             Turpe est in patria vinere

Ist der heimat nicht wert!               Et patrian ignorare!

 

Es ist nicht schön in der Heimat leben und die Heimat nicht kennen!
In der ersten Ausgabe der Geschichte von Glonn habe ich geschrieben: „Glücklich der Mensch, der eine Heimat hat. Eigener Herd ist Goldes wert. Der Zauber des Geburtsortes und der Jugendzeit läßt sich das ganze Leben hindurch nicht auslöschen.” Aber die Heimatliebe drängt auch die Heimat­ geschichte kennen zu lernen. Wenn ein Erfinder eine Entdeckung macht, so freut er sieh darüber; ebenso freut sich der Historiker, wenn er eine Quelle findet, die ihm Kunde bringt über die Vergangenheit der Heimat. Wie freut sich ein Mensch, der viele Jahrhunderte zurück seine Ahnen nachweisen kann! In meiner Jugendzeit habe ich mich oft gesehnt, Näheres über Glonns Vergangenheit zu erfahren. Wenig war bekannt von früheren Jahrhunderten; im Dreißigjährigen Krieg ist ja Glonn bis auf eine BadstuEe von den Schweden niedergebrannt worden und so sind im Pfarrarchiv zu Glonn alle Urkunden verloren gegangen. Deshalb war es notwendig für frühere Zeiten die Reichsarchive und das Ordinariatsarchiv durchzusehen und andere Quellen zu benützen. Viel Mühe, Zeit und Arbeit hat dies erfordert. 5909 ist die erste Auflage der Geschichte von Glonn herausgekommen. Seit vielen Jahren ist diese vergriffen und gar oft hat man mir gesagt, ich solle eine neue und ergänzende Geschichte von Glonn herausgeben. Lange habe ich gezögert wegen der vielen Arbeit und der großen Kosten. Allein die Liebe zur Heimat hat mich dazu gedrängt. Freuen wir uns. der Welt, der Heimat und des Vaterlandes! Freude möge alle meinen lieben Landsleute erfüllen beim Lesen der Arbeiten, Taten, Opfer und Werke unserer Ahnen, die sie im Laufe der Jahrhunderte vollbracht haben. Das Heimatbuch ist in vielen Dingen erweitert und ergänzt und mit vielen neuen Heimatbildern bereichert worden. Allen Mitarbeitern sei herzlich gedankt, besonders Herrn Wolfgang Koller, der sich mit großer Bereitwilligkeit für die Sammlung von Stoffen aus der neueren Geschichte zur Verfügung stellte.

Seit vierzig Jahren hin ich von Glonn fort, so daß ich die neuere Zeit nicht mehr ganz miterlebt habe. Nach dreißig Jahren erscheint nun die Geschichte von Glonn verjüngt in zweiter Auflage. Mein liebes Buch! Nimm Einkehr bei allen lieben Landsleuten, erzähle von Freud und Leid unserer Ahnen, bring Liebe und Freude zur Heimat. Schiller sagt: “Selig durch die Liebe: Liebe macht den Himmel himmlischer — die Erde, zum Himmelreich.” Der lieben Heimat sei dies Buch geweiht!

Das Wappenbild auf dem Umschlag wurde vom Heraldiker Otto Hupp in Schleißheim zur Verfügung gestellt. Die meisten Bilder sind von mir selbst aufgenommen, viele von meinem Neffen Leonhard Voglrieder in Netterndorf, einige von Photograph Franz Hintermair in Glonn und von guten Freunden.

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Glonn.

 

Land und Leute.

Bei jedem ganz im Beruf aufgehenden Stadtbewohner stellt sich von Zeit zu Zeit das Bedürfnis ein, von den Mühen und Lasten des Alltagslebens auszuruhen und in Gottes freier Natur Erfrischung und neue Kraft für Körper und Geist zu schöpfen. Daher enteilen alljährlich Tausende dem Trubel der Großstadt und suchen auf den Bergen oder in einem stillen Tale am Fuße der bayrischen Alpen Erholung und Ruhe. Wohl selten verirrt sich einer weiter ins Flachland heraus und doch gäbe es auch hier so manches lauschige Plätzchen, das dem Erholungsbedürftigen die ersehnte Rast bringen würde; vielleicht noch mehr als die von Fremden überflutete Alpenwelt. Ein so idyllisch gelegenes Plätzchen ist der Marktflecken, der gerade in der Mitte zwischen München und Rosenheim, im reizenden Glonntale, von walbegrenzten höhen beschützt, gleich dem Veilchen im Verborgenen blülit und sich den neugierigen Blicken der Fremden entzieht.

Haben wir auf der Straße von München nach Glonn die Anhöhe oberhalb Ursprung erreicht, so entrollt sich vor unseren Augen ein entzückendes Landschaftsbild, eine Alpenlandschaft im Kleinen. Die weite, öde oberbayrische Hochebene weicht hier abwechslungsreichem Hügelland, die Grenze der Wasserscheide zwischen Isar und Inn nimmt ihren Anfang, eine herrliche Berglandschaft mit anmutigen Tälern, prachtvollen Wäldern und grün umsäumten Hügeln breitet sich aus. Unwillkürlich bleiben wir auf dieser Anhöhe stehen und unser Auge kann sich an den Schönheiten der Natur kaum satt sehen.

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Oben zieh’n die weißen Wolken,
Unten geh’n die blauen Bäche,
Schön in neuen Kleidern prangen
Waldeshöh’ und Wiesenfläche.

Durch die frisch entsproßnen ihren
Haucht ein Säuseln und ein Singen,
Als ob holde Himmelsgeister
Segnend durch die Saaten gingen.

(Weber)

Im Vordergrunde liegt das gleichsam schlummernde Ursprung, wo die erste Quelle des Glonnflusses dem Erdboden entschlüpft und in die üppig grüne Talmulde nach Mühlthal hinabgleitet und sich mit den etwa zwanzig dort mächtig hervorsprudelnden Quellen vereinigt. Glonn selbst ist noch durch einen Bergrücken geheimnisvoll verdeckt; nur die Kirchturmspitze mit dem vergoldeten Kreuz funkelt uns im Sonnenstrahle entgegen. Zur Linken sehen wir das Dörflein Adling an einen Hügelrand geschoben; über der Talmulde erhebt sich gebieterisch das stolze Schloß Zinneberg. Ziehen wir immer weitere Kreise, so taucht an der linken Seite des Glonntales der Kirchturm von Jakobsbeuern aus dem Dunkel des Waldes empor, ihm gegeiiüber das mit seiner weiten Fernsicht die ganze Gegend beherrschende Höhenrain; im weiteren Hintergrund winkt und grüßt nebst manch anderen Kirchlein an hellen Tagen das stattliche Irschenberg herüber. Von da liebt sich unser Auge über das herrliche Glonntal hinweg und weidet sich an dem einzigartigen Anblick der Alpenwelt. Im Mittelpunkt tritt der majestätische Wendelstein mit seinem Gefährten, dem Breitetistein, hervor, daran reihen sich gegen Westen die Berge um Schliersee, Tegernsee und Tölz in mannigfaltiger Gestaltung. Östlich vom Inntal erhebt sich mächtig das vielzackige Kaisergebirge und die weitausgedehnten Bergrücken bis zu den Salzburgerbergen. Von der schroffen Felswand der Zugspitze bis zum sagenumwobenen Untersberg öffnet sich vor uns das gewaltige Steinmeer

S11-NC Karte von Glonn und Umgebung

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S12-NC-O Blick von Höhenrain ins Gebirge

der Alpenwelt. Ist uns der Himmel besonders hold, sogeben der mit ewigem Schnee bedeckte Venediger und noch viele andere Tiroler Berge ein Stelldichein.

Nachdem wir nun die Umgebung ein wenig in Augenschein genommen haben, wollen wir in die Ortschaft Glonn selbst eintreten und uns dort etwas umsehen. Weit über alle Häuser ragt als Gebieterin des Ortes die Pfarrkirche empor. Ferner fällt die kreuzförmige Anlage des ganzen Ortes auf. Die Häuser sind an beiden Seiten der vier Straßen erbaut, die sich in der Mitte der Ortschaft kreuzen; daher der Name Kreuzstraße. Die Straße von Süden kommt von Laus und führt nach Adhing; von Osten vereinigen sich die verschiedenen Straßenarme von Haslach, Berganger, Bruck und Moosach, von Westen die von Pframmern und Egmating. Diese Straßen sind gleichsam die Adern, die Leben und Verkehr in den Markt bringen.

Der Markt Glonn liegt 528 m über dem Meere im äußersten Süden des Bezirksamtes Ebersberg und gehört zum Landgerichte München. Seine Gemeindeflur umfaßt einen Flächeninhalt von 3030 ha, wovon 659 ha Wiesen,

S12-NC-U Glonn gegen Osten, 1909

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S13-NC Glonn-Heckmair gegen Norden, 1939

53 ha Weiden und Streuwiesen, 1163 ha Ackerland, 1089 ha Holzboden, 66 ha Haus- und Hofräume sind.

Im Norden grenzt die Gemeinde Glonn an die Gemeinden Moosach und Oberpframmern, im Westen an Egmating und Helfendorf, im Süden an Höhenrain und Jakobsbeuren, im Osten an Bruck.

Glonn erfreut sich eines milderen Klimas als die nördlich und westlich liegenden Orte und ist deshalb regelmäßig eine Woche früher schneefrei als diese. Die Ursache hievon mag in der tiefen und vor rauhen Winden mehr geschützten Lage und im Kalkboden liegen, der um 0,370 wärmer als Ton- und Sandboden ist.

Der Ort ist ringsum von Bergen eingeschlossen, die an drei Stellen von engen Tälern durchbrochen werden. Durch das Tal von Laus nach Glonn fließt der Abfluß des Lauser Weihers, verstärkt durch die Quellen um Spielberg und das Wasser des Auergrabens. Dieses Gewässer wird nach seinem Zusammenfluß wegen der Kupferfarbe des Gerölles Kupferbach genannt und ergießt sich unmittelbar außerhalb Glonn in den Glonnfluß. Dieser entspringt in Mühithal, nimmt von dem Tale nach Moosach das Sumpfwasser aus den Filzen auf, windet sich in vielen Krümmungen durch das Glonntal und mündet bei Aibling in die Mangf all. Die genannten Täler sind für die Bodenbeschaffenheit der Gegend von großer Bedeutung, weil sich durch diese in alter Zeit gewaltige Wassermassen gewälzt haben. Die Täler sind als alte Flußbette anzusehen, die im Laufe der Zeit bis auf einen kleinen Bach vom Wasser frei wurden. Der Bodengestalt nach gehören unsere Berge zu den äußersten Ablagerungen der Schotteranschwemmung des Inn-und Mangfallgletschers aus der Eiszeit. Derartige fortgeschwemmte Geröll-und Schuttmassen bedecken die ganze oberbayrische Hochebene. An den hiesigen Kiesgruben und Tuffsteinbrüchen kann man leicht die Schichten der einstmaligen Anschwemmungen wahrnehmen. Erst mit dem Zurücktreten der Gletscher fanden allmählich die Moränenablagerungen in den Tälern statt und nach dem Verschwinden der großen Wassermassen wuchs in unseren Tälern einige Flora, deren Überreste im feuchten Boden sich im Laufe der Jahrhunderte in Torf umwandelten. Der feste Untergrund in

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S14-NC  Glonn gegen Sen, 1939. Im Hintergrund Piusheim

den Tälern läßt das Wasser nicht hindurchsickern und so werden die Wurzeln und Pflanzenstoffe im Sumpfwasser vor der Verwesung bewahrt. Vom Wasser abgeschlossen, verkohlen sie und gehen allmählich in Torf über. Im Glonntal und in dem Tal nach Moosach findet sich bei uns Torf, dagegen nicht in dem Maße gegen Reisental. Eigentümlich ist die Ablagerung speziell um Glonn, wo fast bis Reisenial und im Glonntal bis Ödenhub reine Kalkablagerung stattfand. Der Umstand, daß diese Ablagerung von Kalk und Tuff sich auf einem so eng umgrenzten Gebiet findet, läßt vermuten, daß diese hauptsächlich vom Glonnflusse kommt, der ja bekanntlich sehr viel Kalk mit sich führt, und erst nach der Gletscher- und Eiszeit stattgefunden haben muß; denn die Tuffschicht befindet sich fast ganz an der Oberfläche. Man wird nicht fehl gehen, wenn man annimmt, daß im Glonntal früher ein See war, der hauptsächlich vom Glonnflusse gespeist wurde und dann die Kalkablagerungen veranlaßte. Der Name Seefeld zwischen Bahnhof Glonn und Mühlthal deutet auf einen See hin und die tiefe Lage dieser Wiese läßt dies leicht für möglich erscheinen. So soll der Glonnfluß früher auch beim Bahnhof in Glonn eingetreten und zwischen Huberwirt und Nagelschmied hinuntergeflossen sein; ja es ist nicht ausgeschlossen, daß er einstmals auch in das Feld in der Richtung zum Wiesmüller geflossen ist und in der ganzen Umgebung von Glonn die Kalkablagerungen bewerkstelligte. Wenn sich nun in den Glonner Tuffsteinbrüchen zwischen den Steinlagern manchmal auch eine Humusschicht findet, so ist anzunehmen, daß diese nur durch eine Gegenströmung zustande kommen konnte, indem durch Anschwemmung oder sonst irgend einen Einfluß das Glonnwasser zurückgedrängt wurde und dafür schlammiges Wasser an diese Stelle kam.

Die Anhöhen um Glonn bestehen großenteils aus Lehm- und Kiesboden und eignen sich vorzüglich zu Waldanpflanzungen und zum Ackerbau. In unserer Gegend gedeihen alle einheimischen Waldpflanzen. Eigentümlich

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S15-NC Glonn gegen Süden

ist es, daß man außerhalb Schlacht bis München keine Tanne finden kann, während sie bei uns vortrefflich gedeiht. Der Ackerboden eignet sich für alle Getreidearten, wenn er auch nicht eine überaus reiche Ernte ergibt. Der Einfluß der Alpen macht sich auch bei uns in etwa bemerkbar, wenn auch nicht in dem Maße, wie einige Stunden südwestlich von Glonn, wo nur mehr wenig Getreide gebaut wird. In den Tälern wird fast ausschließlich die Wiesenwirtschaft betrieben, welche sehr gute Erträge liefert.

Den Charakter der Bevölkerung kann man als heiter und friedlich bezeichnen. Gerne weilen die Leute in geselliger Unterhaltung, wozu die vielen Wirtshäuser und die zahlreichen Vereine reichlich Gelegenheit bieten. Die Hauptbeschäftigung, der Bewohner von Glonn ist die Landwirtschaft und das Gewerbe. Weitaus die meisten Bürger sind Handwerker. So gibt es:

6 Wirtshäuser mit Metzgerei, 3 Bäcker, 4 Müller in Glonn und Mühlthal, 10 Krämereien, 2 Elektrotechniker, 1 Hafner, 2 Schreibwarengeschäfte, 1 Eisenhandlung, 1 Glaser, 1 Maler, 2 Sattler, 1 Lederer, 4 Schneider, 1 Uhrmacher, 1 Schlosser, 2 Spengler, 6 Schuster, 1 Drogerie, 1 Seiler, 2 Schmiede, mehrere Schneiderinnen, 1 Messerschmied, 2 Baugeschäfte,

3 Schreinereien, 2 Mechaniker, 1 Fotograf, 1 Bürstenbinder, 1 Mineralwasserfabrikant, 1 Kaminkehrer, 1 Molkerei, 1 Wagner, 1 Buchbinder, 2 Autogeschäfte, 2 Bader und Friseur, 1 Krankenschwester, 2 Ärzte, 1 Zahnarzt, 2 Dentisten, x Apotheke, 1 Gärtnerei, 4 Sägewerke, 1 Hebamme, mehrere Maurer und Zimmerleute, viele Handwerker haben nebenbei auch noch eine kleine Ökonomie, rein bäuerliche Betriebe sind wenige.

Öffentliche Gebäude und Anstalten sind: 2 Schulhäuser, Pfarrhof, Bahnhof, Telegraph-, Telefon-, Postamt III. Klasse, Apotheke. Für die Sicherheit sorgt eine Gendarmeriestation. Für die leibliche Gesundheit sorgen zwei praktische Ärzte; die Seelsorge übt für die fast ausschließlich katholische Bevölkerung ein Pfarrer und ein Kooperator aus. Die Protestanten gehören

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zur Pfarrei Großkarolinenfeld. Die Tierarzneikunde versieht ein Distriktstierarzt.

Die Wasserversorgung ist in Glonn reichlich, da auf den Bergen ringsum Quellen vorhanden sind mit reinem und frischem Wasser. Allein man hat die Wasserversorgung nicht großzügig auf gemeinsamem Wege gemacht. Anfangs hatte man meist Brunnen. Einige Häuser nahmen das Wasser am Bäckerberg, andere bauten Wasserleitungen vom Berge beim Wiesmüller. 1906 kaufte Büsing auf Zinneberg die Stegmühle und errichtete ein Pumpwerk für Zinneberg und Sonnenhausen, später auch für Georgenberg Hermannsdorf (Steigung 85 m), ferner wurde in der Stegmühle eine Dynamomaschine eingebaut zur Erzeugung elektrischer Kraft, Erdbleikabeln leiten den Strom dorthin. Jahresleistung etwa 125 000 cbm Wasser 135oo kw Strom, Wasserleistung in der Sekunde 400 Liter. Das Wasserwerk Stegmühle ging am 1. Oktober 1937 in den Besitz von Senkenberg in Herrmannsdorf über. In Glonn baute man nach dem Kriege von Reinsdorf aus eine Wasserleitung nach Glonn unter Leitung von Alfons Strauß um den Preis von 12000 Mk., wobei auf dem Berge eine Wasserreserve angelegt wurde, damit der nötige Druck für die Hydranten vorhanden ist. Eine weitere Wasserleitung baute man unter Leitung von Sarreiter von Mattenhofen um 7800 Mk. vom Berge unterhalb Balkham beim Stoffelweiher nach Glonn. 1914 wurde von der Stegmühle aus ein Pumpwerk nach Kastenseeon errichtet mit 12 Liter Minutenleistung.

1937 wurden alle Straßen im Markte Glonn zur Hintanhaltung der Staubplage asphaltiert.

1937 war in Glonn ein großes Baujahr. Gebaut wurden: 3 Häuser auf dem Bäckerberg, 2 an der Zinnebergerstraße, 1 bei der Kreuzsäule, 1 auf Weg nach Haslach, 1 zwischen Glonn und Adling, 2 in Haslach, Schlacht.

Die Glonner Tuffsteinbrüche sind nur mehr wenige geworden: der des Waslmüllers und des Pfarrers. Die Steinwand hatte oft eine Höhe von 20 m. Weit und breit wurden früher die Tuffsteine von Glonn zu Hausbauten geholt und brachten den Besitzern gute Einnahmen. Tuffsteine sind für alle Bauten ein gesuchtes Material. Eine Klafter Tuffstein kostet 12 Mk.

Im Jahre 1930 unternahm die Gemeinde Glonn den neuen Rathausbau der an Stelle des alten Zehenthofes erstehen sollte. Das Zuhaus der Post zu Glonn war der Zehenthof des Pfarrers zu Glonn, in dem das Zehentelgetreide des Pfarrers von den Zehentpflichtigen eingelagert wurde. Nachdem der Zehent abgeschafft wurde, verkaufte man den Zehenthof an den Posthalter. Der Grund um die Kirche herum gehörte früher dem Pfarrer. Auch der Widumbauernhof, die heutige Schreinerei Neuwirth, gehörte dem Pfarrer, der den Hof an Pächter verpachtete. Unter der energischen und zielsicheren Leitung des Bürgermeisters Ludwig Maier kam der stattliche Rathausbau zustande, der sich recht schön und würdig dem Orte anpasst. Der Architekt Max F]eißner (München) fertigte unter Anleitung von Regierungsrat Müller den Plan, die Maurerarbeiten übernahm das Baugeschäft Braun (Glonn), die Schreiner- und Zimmerrnannsarbeiten übernahmen die Firmen in Glonn: Neuwirth, Landthaler, Paul Beham, Weber und Florian Lechner, die Hafnerarbeiten Adolf Ege, die Malerarbeiten August Knorr.

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S17-NC Neues Rathaus in Glonn, 1931

Die Gesamtkosten betrugen 81000 Mk. Der ganze Bau fügt sich recht gut in das Ortsbild und hat den ländlichen Charakter bewahrt. Über den Rathauseingang hat man das neue Wappen für Glonn angebracht: ein Mühlrad mit einer Forelle wegen der vielen Mühlen in Glonn und den Forellen im Flusse. Dieses Marktwappen stiftete Professor Dr. Max Lebsche und den künstlerischen Entwurf fertigte der Heraldiker Professor Hupp in Schleißheim.

Am 26. September 1931 wurde nach einem Jahre Bauzeit das Rathaus eingeweiht und eröffnet. Dazu waren die Behörden des Bezirkes und viele Leute erschienen, wobei viele schöne Reden gehalten wurden. Wahrheit, Gerechtigkeit, Gemeinsinn und Eintracht mögen allezeit Leitstern der Gemeinde sein! Dies sagen uns die Verse, die bei der Eröffnung gesprochen wurden:

 

 

Sei, Heimat, mir gegrüßt mit stolzen Worten!
Wie lieb ich Dich, mein Glonn, Du Ort, so traut,
Wo rings im Kranz die dunklen Wälder rauschen
und Alpenfirn zu Dir herüberschaut.
Wo leis im Wiesengrund die Quellen singen,
Ein Lied vom Heimatfrieden weich und rein,
Wo heimattreue, biedre Menschen wohnen,
Die ehrsam-fleiß’ge Bürger wollen sein.
Die schaffen für der Heimat Wohl und Segen
Und keine Opfer scheu’n und keine Müh’n,
Gemeinsinn, Arbeitsfreude, Bruderliebe,
Ließ auch dies Werk so herrlich hier erblüh’n.
Ein neues Rathaus seht Ihr stolz hier stehen,
Mit heil’gem Segen ist es nun geweiht,
Daß Gottes Kraft es schirmend stets erhalte,
Zum Wohl der Heimat, jetzt und allezeit.

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Der Name Glonn.

Der Name Glonn (China, Clane, Glohn, Gluonin, Chlana, Clanis) wird von den meisten Sprachforschern als ein keltischer Name angesehen. Er begegnet uns bei Nebenflüssen der Mangfall, Amper, Salzach, Nahe; als Ortsname hier und bei Dachau und wurde bisher allgemein auf das keltische „glan”, rein, lauter, zurückgeführt. Lomeyer glaubt das Wort in derselben Bedeutung auch als germanisch beanspruchen zu dürfen, indem er nachweist, daß der Flußname auch in solchen Gegenden sich finde, die in historischen Zeiten von Germanen bewohnt wurden.1 Strabo nennt als Flüsse, die sich in den Ister (Donau) ergießen

 

Aou’potg xu.t KX&vi . .

Xouotv al ‘r ‘ro “latpou iriftpov.2   oip

 

von einem keltischen Worte Dur = Wasser, das öfter als Flußname vorkommt, und KXvt (Clanis ein Fluß in Italien und Steiermark). Forbinger deutet diese als Glonn.1 „Glana bedeutet pura vom urkeltischen glanos, rein, glänzend, im Altirischen plan purus, im Altcymrischen glan mundus, nitidus, im Cornischen glan, im Welschen glan, im Altbretonischen glanet, im Mittelbretonischen glan pur, samt, im Griechischen TX-?vo; = Schau-Prachtstück (pupille), im Althochdeutschen kleini, im Altenglischen clocne”.1 Privatdozent Dr. Wirth in München ist anderer, Ansicht. Er schreibt in einem Artikel über nichtarische Ortsnamen,3 daß dur für gewöhnlich, aber fälschlich, als keltisch gedeutet wird. Das Keltische hat allerdings dur = Wasser, aber dur ist ein älteres Lehnwort, das ähnlich in Ostrußland und Sibirien vorkommt. (T6p Dnyepr). Wessinger4 schreibt über den Glonnfluß folgendes: „Die Ableitung vom keltischen glan, purus, mundus, lauter entspricht nicht der Beschaffenheit der verschiedenen Glonnflüsse, die eine gelbbraune, aber glänzende Farbe haben. (Stimmt bei unserer Glonn durchaus nicht, die nur helles klares Wasser hat.) Die Glan bei Salzburg hat gelbbraunes Wasser. Beide unterscheiden sich aber von dem gewöhnlichen Moorwasser durch einen eigentümlichen, auch bei trübem Wetter bleibenden Glanz. Für die weiche Eigenschaft des Wassers der Glonn zeugt Apian, der von unserer Glonn sagt: ex palustri omnino campo scatarit (aus ganz sumpfigem Gefilde sprudelt sie hervor).” Dr. Prinzinger sagt in seinem Buche über die Keltenfrage: „Es liegt nahe, den Namen Glonn aus der deutschen Wurzel Loh, Gloh = die Lohe (Feuer), Rothlauf zu erklären”.

Nach Pallhausen heißt glan, glon, gelonus, die sich zwischen den Bergen Schlängelnde. Nach anderen soll Glonn „Zweig” bedeuten. Sonderbarerweise heißt in der griechischen Sprache KXov (Glon) Sprößling, Zweig. Wann und von welchem Volke der Fluß und die Ortschaft Glonn ihren Namen erhalten haben, läßt sieh nach Dargelegtem nicht mit Sicherheit feststellen. Die meisten Sprachforscher geben die Kelten an, die 400 v. Chr. bis etwa 400 v. Chr. existierten. Soviel ist sicher, daß die Bajuwaren bei ihrer Ein-

1 Oberb. Archiv, 44. Bd.; Riezler, Die Ortsnamen der Münchener Gegend.
2 Holder, Keltischer Sprachschatz (Clanis).
3 Wirth, Nichtarische Ortsnamen; Natur und Kultur 1903, Heft 11.
4 Wessinger, Orts- und Flußnamen, S. 122.

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wanderung den Namen Glonn schon vorgefunden haben. Die Glonn ist ein an Salzen, Kalksubstanzen und Kieselsäure reiches Wasser. Der Kupferbach hat ein etwas kupferfarbiges Steingeröll, das von dem Moorboden des Lauser Weihers und von den Moorwiesen nach Glonn stammt. Dieses mit Salzen, Kieselsäure und mit Humusstoffen durchtränkte Wasser ist zum Baden und zu Heilzwecken vorzüglich geeignet. Das Glonner Schwimmbad hat Kupferbachwasser. Zum Baden ist die Glonn auch in der heißen Jahreszeit ziemlich frisch; die Temperatur beträgt wohl nie über 190. Das Wasser der Glonn ist wunderbar klar und hell uni bleibt es auch bis zur Mündung in die Mangfall.

 

 

 

 

Besiedelung und ältere Geschichte.

 

Nebelbilder steigen dämmernd
Aus der Vorzeit dunkeln Tagen,
Wispern hör’ ich ihre Summen,
Freudenlaute, Zürnen, Klagen.

(Weber.)

 

 

Da nach der Mehrzahl der Sprachforscher der Name Glonn ein keltischer ist, so ist anzunehmen, daß sich hier schon lange vor Christus Kelten als Bewohner niedergelassen haben. Zu welcher Zeit dies geschah und wer vorher sich hier aufgehalten hat, wird wohl niemals angegeben werden können. Daß sich in hiesiger Gegend schon sehr frühzeitig Menschen befunden haben (auf den Höhen natürlich, nicht im Tale, wo früher sicher Wasser gewesen ist), ist in den Glonner Tuffsteinbrüchen zu sehen; in den zwischen zwei wuchtigen Tuffsteinlagern befindlichen Humusschichten wurden nämlich Tonscherben gefunden, die dafür Zeugnis ablegen, daß zu einer Zeit schon Menschen hier gewesen sein müssen, bevor diese gewaltige Tuffstein­quadern sich gebildet haben. So worden 1906 in Glonn in den Tuffstein­brüchen unter einer 5 m hohen Schicht von Tuffsand und Tuffstein in einer etwa 15 cm hohen Kulturschicht Kohlenreste mit Tierknochen und

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Glonn 1855 nach einem Gemälde v. Magnus Meßner

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Quellgebiet der Glonn in Mühltal

 

 

 

Scherben vermischt entdeckt, die an die Münchener Staatssammlung gelangten. Die Scherben sind mit einer Bauchkante und Warzen versehen, um welche sich die Ornamente in Stichkanalmanier mit horizontalen Linien und schraffierten Dreiecken gruppieren. Die Glonner Keramik nimmt trotz der Ähnlichkeit mit den Rössen- und Niersteinertypen ein selbständige Stellung innerhalb der bandkeramischen Typen ein; zum Teil erinnern die Scherben an solche, aus dem Fundplatz Mönchshofen bei Straubing.1

Vor einigen Jahren wurden bei der Grundaushebung zum Hausbau vom Eichmeier beim Bahnhof zu Glonn unter einer Humusschicht von eineinhalb Meter die Anlage einer Wohngrube entdeckt, wobei Knochen, Kohlenreste, ein Steinbeil und ein Feuersteinrnesser gefunden wurden. Steinbeil und Feuersteinmesser weisen auf die sehr weit zurückliegende Steinzeit hin. Dagegen Knochen und Messer aus Eisen halten sich in feuchter Erde nicht Jahrtausende lang. Bei uns hatten die Männer noch vor kaum 1oo Jahren stets ein feststehendes Messer in der Hosentasche, die Leute gingen früher stets mit einem Dolch oder einem Degen an der Seite sogar in die Kirche und man gab sicher auch noch lange in der christlichen Zeit das Messer oder den Dolch als Ehrengabe mit ins Grab. Das Christentum hat gar manches Brauchtum aus dem Heidentum bestehen lassen. Wenn wir auf dem Bäckerberge östlich von Glonn, wo einst die Pfarrkirche stand, in Gräbern der Verstorbenen Messer. Armreife und dergl. finden, so sind das Ehrengaben, die man auch in christlicher Zeit ins Grab mitgab.

Ohne Zweifel gehört Glonn zu den ältesten Besiedlungen in der hiesigen Gegend. Dafür spricht die günstige Lage und die Nähe guten Wassers. Solange die Römer die Herrschaft führten, hattü ‘die Germanen keine festen Wohnsitze. Jeder wohnte für sich, wie gerade eine Quelle, ein Feld, ein Hain zur Ansiedelung einlud.2 Jeder stellt sein Haus nach allen Seiten frei. Sogar

 

1 Korrespondenzblatt d. G. f. Anthropologie, Jahrg. 1936, S. 137.

2 Tacitus, Germania. 16. Kapitel.

 

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Bild

Schleifmühle des Messerschmied in Glonn

 

 

Steinbau und Ziegeldach sind unbekannt; alles ist von Holz, schlicht und einfach; dabei doch gefällig fürs Auge. Einzelne Teile des Baues werden mit einer feinen Lehmart übertüncht. Auch unterirdische Höhlen graben sie sich, belasten die Wölbung noch mit einer dichten Dungschichte und schaffen sich so eine Zuflucht für den Winter und einen Bergungsort für Lebensmittel. Ein solcher Bau macht die Strenge der Winterkälte erträglicher. Gewöhnlich vollzog das Geschlecht, die Sippe, reihenweise die Rodung. Daher hat vielleicht das Wort roden, reuten einen gewissen Zusammenhang mit reihen, dem Gereitheri (Hofraithe), verteilen.1 Solche Rodungen sind teilweise schon zur Zeit der Römer vorgenommen worden. Diese haben ganz Südbayern zur römischen Provinz gemacht, an günstigen Plätzen Kastelle errichtet und feste Straßen angelegt. Dadurch wurde der Verkehr mit Rom erleichtert, Handel und Gewerbe von Rom aus in diese Gebiete gebracht. In der Nähe von Glonn führen zwei Römerstraßen vorbei, die von Rosenheim über Peiß nach Augsburg und die von Rosenheim über Wasserburg, Ebersberg nach Freising. Die Römer scheinen auch nach Glonn gekommen zu sein, weil man in Glonn schon wiederholt hei Grabungen Münzen der Kaiser Claudius und Nero gefunden hat. Eine derartige Münze wurde zwischen Kramer und Pitzerhaus beim Graben eines Brunnens gefunden; sie enthält auf der einen Seite den mit Lorbeer bekränzten Kopf eines Kaisers mit der Umschrift: Imp. Maximianus P. F. Aug.; auf der anderen Seite einen stehenden Genius mit einem Füllhorn in der linken und einer Schale in der rechten hand: Genio Populi Romani. Die Münze befindet sich im Besitze der Posthaltersfamilie in Glonn, jetzt in Münchcn.

 

1 Grupp, Kultur der Kelten und Germanen.

 

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Bild

Glonn vor 1870

 

 

Da der Name Glonn keltisch ist, so waren vor den Römern bei uns Kelten. Diese trieben Sonnenkult wie die alten Ägypter, die der Sonne und der Natur göttliche Ehren erwiesen. Als die Römer unsere Vorfahren unterjochten, wurden sie mit dem Mithraskult bekannt. Der Sonnenkult, die Sonne als Spenderin von Licht und Leben, war noch der Beste im Heidentum. Die .Germanen verehrten auch die Sonne und die Natur. Sonntag = Sonnentag, Montag = Mondestag, Dienstag = Erchtag = Dingstag = Ziu = Gerichtstag, Mittwoch = Wodanstag, Donnerstag = Donar, Freitag = Freja, Samstag = Holda.

Der oberste Gott war hei den Germanen Ziu (bei den Griechen Zeus), Wodan der Windgott und auch Totengott; in seinem Gefolge sind die Wal.-küren, die die Helden nach Walhalla führen; Donar mit dem Donnerkeil ist der Gewittergott, Freja ist die Liebesgöttin, Holda die Todesgöttiri. Berchta die Erdgöttin, auch Isis genannt. Die Germanen hatten keine Tempel, sondern versammelten sich zu religiösen und bürgerlichen Angelegenheiten, zur Abhaltung der Gerichtstage in Hainen, besonders unter einer Linde. Dorflinde, Maihauin, Sonnwendfeuer, Haberfeldtreiben, Sittengericht und Pfingstlümmel (gefallenen Mädchen einen Dornstrauch vor das Haus setzen), das sind noch Überbleibsel vom Germanentum. Die Germanen hatten blutige Tier- und Menschenopfer, wobei das Blut getrunken Und das Fleisch als Götterspeise gegessen wurde (siehe Artikel Roßkult). Dabei gab es viel Aberglaube, Hexenglaube, Zauberei, Unholdinnen, Kobolde. Sterndeuterei: sie richteten sich nach den Himmelszeichen, Vollmond usw.. sie glaubten an Sturm- und Schicksalsgöttinnen, an die Seelenwanderung. Darum gaben sie den Toten ins Grab mit: Speise und Trank, Waffen, Werkzeuge, Ringe, Spangen, Kamm, den Frauen Geschmeide. Die Gräber befanden sich meist auf Hügeln. Bei Einführung des Christentums hat man das alte Brauchtum erhalten, aber die christlichen Missionäre führten an verschiedenen Kuitorten die Verehrung von Heiligen ein. An Stelle von Wodan

 

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trat Michael, Georg, Stephan, Martin, Johannes der Täufer oder Maria und allmälich wurden die heidnischen Kultstätten zu christlichen Wallfahrtsorten. Bei den Germanen waren bei den Festen immer auch Opfermahlzeiten und Schmausereien; so sind auch bei uns an Wallfahrtsorten die Wirtshäuser und an den Festen wie Kirchweih, bei Taufen, Hochzeiten, bei Beerdigungen gern Schmausereien. Den Hauptanteil an der christlichen Glaubensverbreitung dfen die Missionare beanspruchen, die auch hauptsächlich die Rodungen vorgenommen haben. Doch die Missionäre konnten erst nach dem Untergang des Römerreiches und dem Einzug der Bajuwaren in Bayern am Ende des 5 Jahrhunderts die Verkündigung des göttlichen Wortes tatkräftig beginnen. Aus England und Frankreich kamen diese gottbegeisterten Männer herüber und brachten unseren Vorfahren das Licht der ewigen Wahrheit. Damit aber ihr Werk eine anhaltende Wirksamkeit auste, mußten sie feste Punkte wählen, von wo aus stets Nachhilfe erfolgen sollte. Solche feste Punkte sind durch alle Ortsnamen bezeichnet, die mit Münster und Zell zusammengesetzt sind. So soll zu Altmünster eines der ältesten Klöster gewesen sein. Man nimmt an, daß es ursprünglich ein Zweigkloster von Salzburg war und dann von den Chiemseer Mädchen versehen wurde.1 Der Name Münster im Gegensatz zur Zelle sagt, daß Münster ein größeres Kloster gewesen sein muß. Von da aus soll unsere ganze Gegend zum Christentum bekehrt worden sein. Huber1 meint, Münster sei im letzten Drittel des 6. Jahrhunderts anzusetzen.

Der Nachbarsort Helfendorf gehörte bereits drei Jahrhunderte später zur Diozese Freising. Als die Leiche des heiligen Emmeram von Helfendorf nach Aschheim überführt wurde (651), schlossen sich dem Zuge 200 Männer an; ein Zeichen, daß damals die ganze Bevölkerung bereits zum Christentum bekehrt war. Von Münster aus wurde das ganze östliche Gebiet mit den Seelsorgbezirken Bruck, Lorenzenberg, Schönau mit Mönchen versehen. Um 724 hatte unsere Diozese bereits den ersten Bischof, den heiligen Korbinian und uns 739 folgte die Diozesaneinteilung durch den heiligen Bonifatius. In unserer Nähe zu Wildparting bei Irschenberg verbreiteten die irischen Glaubensprediger Marinus und Anianus den christlichen Glauben etwa vierzig Jahre lang. Der heilige Bischof Marinus wurde um des Namens Jesu willen von wilden Horden mißhandelt und dann verbrannt am 15. November 697. Am gleichen Tage starb auf diese Schreckensnachricht hin sein Diakon Anjanus, der schon einige Zeit krank war.

In Münster ist der heilige Johannes der Täufer Patron, was auf eine ursprüngliche Taufstelle hinweisen dürfte. Als nun das Kloster Münster eingegangen war, wurden an den verschiedenen Orten der Umgebung Johanneskirchen mit Taufstellen errichtet; unter diesen befand sich auch die Johanniskirche mit Taufstelle in Glonn. Nach dem Volksmunde soll ursprünglich die Glonner Kirche auf dem Bäckerberge, gleich außerhalb Glonn links an der Straße nach Zinneberg, gestanden sein. Dieser Berg heißt in den Saalbüchern2 der Kirchberg. Aus der Benennung dieses Berges (mit Kirchberg) geht hervor, daß in diesem Falle der Volksmund recht haben wird. Die in der Nähe vorbeifließende Glonn weist ebenfalls darauf

 

1 Huber, Einführung des Christentums.

2 Pfarrarchiv Glonn.

 

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hin; denn bis ins Mittelalter herrschte die Sitte, die Taufe mit Untertauchen zu vollziehen und dazu benützte man gern die Flüsse in der Nähe der Kirche, wo gewöhnlich gleich eine Taufkapelle über dem Flusse gebaut wurde. Auch der Boden auf dem Kirchberg würde noch manches Geheimnis lösen kön­   nen, wenn er gehörig aufgegraben und untersucht würde. Einige Ausgrabungen haben die Anwesenheit einer ehemaligen Kirche schon bewiesen. So schreibt Pfarrer Mayr1 von Glonn am 16. April 1858, daß auf dem Bäckerberge eine kleine Gruft beim Ackern entdeckt wurde. Von mehreren Seiten wurde versichert, daß nach alter Sage auf dem Bergrücken einst die Pfarrkirche von Glonn gestanden habe. Natürlich wird sich bei dieser Kirche ein Gottesacker befunden haben. Die Gruft blieb infolge der Ausmauerung die vielen Jahrhunderte erhalten. Die Gebeine wurden gesammelt und im jetzigen Gottesacker beigesetzt; die Gruft wurde eingefüllt.

Etwa um 188o wurde auf diesem Berge eine weitere Gruft entdeckt, in der sich außer den Gebeinen auch noch ein Schwert befand. Zu Ostern 1903 gruben Doktor Lebsche und der Schreiber dieser Zeilen ganz oben auf dem Bäckerberge bei der Kiesgrube zwei Leichen aus, die sich unmittelbar un­   ter der Humusschicht etwa 4o cm tief unter der Erde befanden. Beide lagen mit dem Kopfe nach Westen. Die Gebeine waren sehr morsch, um den Hals der einen Leiche lagen Tonperlen, um den linken Unterarm war ein oxydierter Armreif (wahrscheinlich eine Frau), bei der anderen Leiche befanden sich ein Kamm, an der linken Seite ein etwa 15 cm langes Messer, ferner ganz verrostete Kettenglieder (allem Anschein nach ein Mann). Ferner wurden dort einige Leichen durch Abgraben bei der Kiesgrube aufgedeckt. Es ist nun schwierig, diese Gräber zu erklären. Sollte vielleicht in erster Zeit die Kirche ganz oben gestanden und dort der erste Gottesacker von Glonn gewesen sein? Möglich wäre es immerhin. Nur der Umstand scheint dagegen zu sprechen, daß bei diesen ausgegrabenen Gebeinen bis jetzt noch kein christliches Zeichen (Kreuz u. dgl.) gefunden wurde. So könnten es auch Reihengräber sein, die von 400 bis 7oo nach Christus angelegt wurden. Bemerkenswert ist noch, daß nur der vordere Teil des Bäckerberges vom Färber hinauf Kirchberg heißt und der hintere Teil Rumplberg.2 Auf dem Bäckerberg am Weg nach Zinneberg „gegen Niedergang” stand 1728 noch eine steinerne Säule.2 Vielleicht ein Gedenkstein an die frühere Kirche!

1937 wurden am Bäckerberg bei den Grundaushebungen zu dem Hause von Strasser-Huber wieder Gräber aufgedeckt. Unter einer Erdschicht von 8o cm stieß Strasser auf eine große und schöne Tuffsteinplatte als Decke einer Gruft, die i,3o m lang, 5o cm breit und 5o cm tief war. In der Gruft lagen Totengebeine, links befand sich ein stark verrostetes 15 cm langes Messer, eine Spange, eine 10 cm lange, gebogene, grün oxydierte Nadel. Die Tuffsteinplatten sind sauber behauen, dienten zur Einfassung der vier Seiten und zur Bedeckung der Gruft. Als Boden diente die natürliche Lehmschicht. Auch beim Hausbau von Koller fand man bei den Erdarbeiten 40 m oberhalb der anderen Fundstelle Schädeldecken und Knochen, die nicht tief in der Erde waren. Weiter oben fand man wieder Totengebeine.

1 Pfarrarchiv Glonn.

2 Pfarrarchiv Glonn.

 

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Vielleicht war in allerfrühester Zeit die Kirche ganz oben auf dem Berge und später weiter herunten.

Nachdem wir ans einen kurzen Überblick über die Besiedelung unserer Gegend verschafft haben, wollen wir jetzt auf die ältere Geschichte von Glonn übergehen. Das Missionswerk der Mönche von Münster wurde nach dem Untergang des Klosters von anderen Klöstern, besonders Tegernsee und Chiemsee, fortgesetzt. Die älteste Quelle für Glonn ist Meichelbeck (Hist. Fris. I). In seiner Geschichte von Freising kommt Clana öfter vor, aber man kann manchmal nicht unterscheiden, ob es das Glonn bei Dachau oder unser Glonn ist. Sonderbar trifft es sich, daß hier wie dort mehrere Orte den gleichen Namen tragen, so Bruck, Emmering, Moosach, was leicht irre führen kann.

Ratpot, der Sohn des Crimunus, schenkte seinen Besitz zu Moosach und Glonn am 31. März 774 der Marienkirche zu Freising.1

Adalfrid, Rihheri und eine fromme Frau übergaben 776-778 das von Bischof Aribo geweihte Gotteshaus in Berganger dem Bischof von Freising.1

Derartige Schenkungen kamen 788-791 in Taglaching und Moosach, 794-802 in Egmating, 804-807 in Helfendorf, 8o6 in Pframmern, 817 in Höhenrain, 821 in Unterlaus vor.1

Der Priester Ratpoto übergab seinen ganzen Besitz an Wiesen, Wäldern und Gewässern zu Glonn der Marienkirche zu Freising zur Nutznießung unter dem Bischof Hitto am 21. Januar 821.1

Dieser Priester Ratpoto wird wahrscheinlich der erste nachweisbare Pfarrer von Glonn sein. Diesem folgte als Pfarrer von Glonn der Priester Hahmunt, der für das Heil seiner Seele der Marienkirche in Freising eine Kolonie und drei Unfreie mit Namen Cozrih, Hreitun, Uuolfpirc zu Glonn übergibt unter dem Datum vom 27. Juli 825 zu Aßling.1 In Meichelbecks Geschichte von Freising kommt der Name Glonn noch oft bei Schenkungen vor, doch ist es in den anderen Fällen zweifelhaft, ob es unser Glonn ist.

Nichts konnte gefunden werden, daß Glonn einmal eine Hofmark gewesen ist; dagegen kommen Edle von Glonn vor, so ein Witigovo2 von Glonn um 1015; dann ein Richer oder Rieher, endlich ein Heinrich.3 Um 1045 war in Glonn der Tegernseer Vogt Rupert begütert, um 1080 erscheint der Miles Wernher von Glonn.3 Dieser übergab vier Unfreie, Waltmann, Richart, Hizila und Adalheit von Totindorf dem heiligen Quirinus zu Te­   gernsee.4

Die drei edlen Männer Arnolt, Jedung, Isimgrim übergaben um 1100 ihr Gut bei Glonn dem edlen Dietrich von Herlinchofen, damit er es

 

1 Bitterauf, Die Traditionen des Hochstiftes Freising Nr. 66, 80, 443, 525. Siehe auch Meichelbeck, Hist. Fris.

2 Denkschrift der Akad. d. W. 14. Band, 3. Abt. I, 23.

3Paulhuber, Geschichte von Ebersberg, großenteils aus Öfele, Rerum Boicarum entnommen.

4Monumenta Boica VI, 43, 58, 55, 75.

 

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nach dem Tode des Isimgrim für das Seelenheil seines Verwandten Bernhard, der getötet wurde, dem heiligen Sebastian nach Ebersberg überbringe.1

Die Magd Rihkart übergibt ihren Besitz am Glonnflusse mit Zustimmung ihres Gatten Heinrich und ihres Sohnes Perthold um 1100 dem heiligen Quirinus zu Tegernsee.2

Der Edle Outo von Glonn übergibt seinen ganzen Besitz dem heiligen Quirinus zu Tegernsee.2

Um 1140 traten ein Sigibota und sein Bruder Ortwein von Glosin als Zeugen auf.3

Im Jahre 1245 übergibt Alhard von Freising seinen eigenen Hof zu Finsing und einen Hof zu Glonn.4

Jakob Knüttl, Mesner von Glonn, richtete am Freitag vor dem Palmsonntag 1438 einen Bittbrief an den Herzog von Bayern.4

In einem Gerichtsbrief des Klosters Tegernsee vom Jahre 1471 kamen wegen des Obermaierholzes zu Obersoy unter anderen Namen aus unserer Gegend vor:4 Michael Huber von Pframmern, Michel Zimmermann von Nöderndorf, Hanns Sunderhausser von Adling, Künz Ledräie von Glan und Urspreng, Hanns Mair von Kreuz usw.

Um 1503 wurde ein Vertrag zwischen Christoph von Pienzenau zu Zinneberg und Herzog Albrecht geschlossen wegen des Wasser- und Holzrechtes zu Glonn und Kreuz;4 1558 zwischen denselben wegen eines Hofes und einer Hube zu Glonn.4 Um diese Zeit kamen der Hof des Georg Zehetmair und die Habe des Balthasar Huber von Glonn als Freistifte nach Zinneberg.

Vom 25. Januar 1546 ist ein Ablaßbrief des Gotteshauses Höhenkirchen datiert mit Pfennig ewigen Gelds, in welchem der Name des Pfarrers Niedermair von Höhenkirchen und ein kleines Anwesen in der Glaner Pfarr vorkommt.4

Bekanntlich haben zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges die Schweden in unserer Gegend alles niedergebrannt und es wird wohl in der ganzen Umgebung kein Haus mehr aus dieser Zeit vorhanden sein. Daher sind die Nachrichten vor dem Dreißigjährigen Kriege spärlich, reichlicher dagegen in der Folgezeit. Was vom Feinde verschont wurde, raffte die schreckliche Pest hinweg, so daß Glonn nach dem Dreißigjährigen Kriege fast ausgestorben war. Die ganze Gegend glich einer Wüste, wilde Tiere hausten und machten sie unsicher. Kaum war das Unheil des Dreißigjährigen Krieges vorüber, so entstand in Glonn ein Jahrzehnte lang dauernder Streit wegen des Scharwerkes und der Lasten, die die Grundholden der Hofmark Zinneberg leisten mußten. Dann folgte der Spanische Erbfolgekrieg, der unsere Gegend auch. nicht zur Ruhe kommen ließ. Hundert Jahre später kamen wieder die Franzosen nach Glonn mit all den Lasten, die jeder Krieg mit sich bringt. Erst der siegreiche Krieg 1870 brachte auch für Glonn einigen Aufschwung. Die Bautätigkeit setzte erst recht in den letzten fünfzig

 

1Denkschrift der Akad. d. W. 14. Band, 3. Abt. I, 23. 2Monumenta Boica VI, 43, 58, 55, 75.

3 Paulhuber, Geschichte von Ebersberg.

4 Reichsarchiv über GIonn f. 19 Nr. 225, 1. 62 Nr. 616, f. 53 Nr. 477, 478.

 

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Jahren ein, in welchen sich die Anzahl der Gebäude nahezu verdoppelte. Zur höchsten Blüte entfaltete sich das wirtschaftliche Leben, der Handel und Verkehr mit dem Bahnbau 1893 von Grafing nach Glonn, der den Bewohnern die Möglichkeit verschafft die Produkte der Haushaltung, des Feldes und Waldes schnell und mit geringen Auslagen auf den Markt zu bringen. Im Folgenden wollen wir nun auf die mannigfaltige geschichtliche Entwicklung Glonns eingehen.

 

 

 

 

Die Kirche in Glonn.

Kirchenbau.

Wie bereits erwähnt, soll die Glonner Kirche ursprünglich auf der Anhöhe hinter dem Färberhause auf dem Bäckerberge, Kirchberg genannt, gestanden haben. Vor dem Dreißigjährigen Kriege jedoch stand die Glonner Kirche schon lange an dem Ort, wo sie sich heute befindet, gerade mitten im Dorfe, am schönsten Platze, majestätisch den ganzen Ort überragend und beherrschend. In Glonn war Korbinian Geisenhofer Pfarrer von 1630 bis 1634. Diesem folgte Johann Schmalzmair, von Gelting, Pfarrei Schwaben, daheim, von 1634 bis 1644; hierauf folgte sein Bruder Melchior Schmalzmair von Gelting von 1644 bis 1664. Dieser letztere hatte eine sehr schöne Handschrift und machte erst nach 1644 die Aufzeichnungen über den Krieg: Glonn ist 1632 von den Schweden bis auf eine Badstube niedergebrannt worden. Ich möchte da eine Korrektur machen. In der ersten Auflage der Geschichte von Glonn berichtete ich, daß auch die Kirche niedergebrannt wurde: Heute aber bin ich der Ansicht nach genauer Einsichtnahme der Akten, daß die Kirche 1632 nicht niedergebrannt wurde: weil nirgends etwas steht von einem Kirchenbau und Pfarrer Johann Schmalz­   mair und Melchior Schmalzmair schon in den nächsten Jahren die Kirche mit vielen Schmuck versahen, den Frauenaltar errichteten und der Bischof von Freising 1642 in der Kirche zu Glonn die Firmung spendete.1 Diese Kirche war im gotischen Stil erbaut, wovon heute noch die Sakristei als gotischer Bau zu sehen ist. Die Sakristei ist noch ein Überbleibsel der alten Kirche; man kann heute noch das gotische Gewölbe mit den Spuren der abgeschlagenen Rippen in der oberen Sakristei sehen. Die Anlage derselben in der Form eines Achteckes weist auf den Chor der früheren Kirche hin. Doch im Laufe der Zeit wurde die Kirche baufällig und 1768 ging man an den Neubau der Kirche heran.

Im Folgenden soll nun eine ziemlich ausführliche Geschichte des Glonner Kirchenbaues gegeben werden. Das geschichtliche Material dazu wurde fast ausschließlich dem Kreisarchiv in München entnommen.

 

1 Ordinariatsarchiv.

 

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Am 18. März 1767 richtete der Pfarrer Georg Häckl wegen des Kirchen­baues in Glonn eine Bittschrift an den Kurfürsten, in der es unter anderem heißt: „Das Gotteshaus zu Glonn befindet sich in einem derart ruinösen Zustand, daß der Gottesdienst nur mit der größten Gefahr gefeiert werden kann. Schon vor vielen Jahren wurde dieses Gotteshaus von den Bauverständigen für baufällig erklärt. Die Glonner haben bereits die Baumaterialien gratis an Ort und Stelle gebracht. Die Zimmer- und Maurerarbeiten wurden auf nur 2000 fl. angeschlagen; Graf Fugger auf Zinneberg gab 200 fl. her; die Gemeinde schoß 600 fl. zusammen, wozu die Dienstboten vieles beigetragen haben. Da aber alles dieses zum Kirchenbau nicht ausreicht, so bittet

der Pfarrer den Landesfürsten, die Genehmigung zur Aufnahme von Baugeldern zu erteilen, nachdem dieses das Ordinariat in Freising bereits erlaubt hat.”

In einem Schreiben vom Pflegegericht Schwaben vom 10. April 1767 wird der tätige Eifer gelobt, der ruinöse Zustand der Kirche anerkannt und der Neubau gebilligt. Schwierigkeit bereitete nur die Herbeischaffung des Geldes. Das Gotteshaus zu Glonn besaß so wenig Vermögen, daß es nur die täglich notwendigen Ausgaben bestreiten konnte; daher mußte der Steinbruch verschrieben werden, worauf ein unverzinsliches Kapital zu 3000 fl. von einem anderen vermöglichen Gotteshaus hergeliehen würde. Dieses Kapital müßte aber in jährlichen Fristen zurückgezahlt werden. Ferner müßten die Dezimatoren etwas beisteuern, wie das Kloster Weihenstephan, Fugger auf Zirmeberg, der Benefiziat von Moosach, der Pfarrer von Glonn, der Benefiziat zu St. Peter in München und der Rumpl von Berg. Ein Darlehen von Seite des Landgerichts konnte jedoch nicht sogleich flüssig gemacht werden, weil das im Bau begriffene Gotteshaus zu Forstinning noch Geld brauchte. Aber das Landgericht Schwaben befürwortete die sofortige Genehmigung zum Anfang des Glonner Kirchenbaues aufs wärmste beim Kurfürsten, damit sogleich mit dem Bau begonnen werden könnte und das bereits vorhandene Baumaterial nicht verfaulen müßte. Daraufhin erfolgte die Erlaubnis zum Abbruch des alten und zum Neubau des neuen Gotteshauses, aber nur für das Langhaus, der Chor blieb einstweilen stehen und

wurde als Notkirche noch benützt und später als Sakristei verwendet. Am 10. Juli 1767 wurden 1000 fl. Kirchengelder vom Landgericht Schwaben zum Gotteshausbau Glonn verschrieben und zwar von der Kirche zu Wolfratshausen; allein sie kamen nicht sogleich zur Ausbezahlung. Der

Pfarrer von Glonn schickte einen eigenen Boten nach Wolfratshausen wegen dieser Angelegenheit. Am 22. August 1767 wurde der Steinbruch zu Glonn als Hypothek für das Geld von Wolfratshausen verschrieben.

Am 18. November 1767 wurde unter Strafandrohung die Ausbezahlung von 1170 fl. für den Bau der Glonner Kirche anbefohlen; bescheinigt ist diese Ausbezahlung mit 1. Januar 1768.

Als zum Kirchenbau der Grund gegraben wurde, ging felsenfester Tuffstein her. Sogleich wurden zehn Klafter Tuffstein herausgebrochen, im Glauben, daß alles lauter fester Boden sei; aber bei weiterem Graben ging der feste Boden aus und dafür kam weiches Erdreich zum Vorschein. So

hatte man sich das feste Fundament vergraben. Man mußte nun 18 Schuh tief graben, bis wieder fester Grund herging. Daher mußten zur Grund‑

 

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legung allein schon 256 Klafter Tuffstein und 5o Muth Kalk verwendet werden. Der Kostenvoranschlag des Maurermeisters Flauer von Nurdhof­fen (2) mit 3000 fl. wurde weit überschritten. Ebenso war der Kostenvor­anschlag des Zimmermeisters Wäsler von Glonn zu niedrig angesetzt mit 727 fl. 34 kr. Diese Summe reichte gerade für den Dachstuhl des Lang­hauses. Für den Chordachstuhl und die Turmkuppel waren noch 958 fl. 15 kr. erforderlich. Der Schlossermeister Schäfler von Glonn mußte das alte Eisen abnehmen und dafür die neuen Arbeiten liefern um 509 fl. 16 kr. Der Pfarrer von Glonn kam in große Not wegen der Kostenüberschreitun­gen. Während des Winters sollten die Tuffsteine zum Gewölbe des Chores und Langhauses hergerichtet werden. Aber es war kein Kreuzer Geld mehr da. Daher bat der Pfarrer um Bewilligung einer Kirchensammlung in der ganzen Diözese. Vom Steinbruch in Glonn wurden Steine zum Gotteshaus nach Wolfratshausen abgeführt, während man sie für Glonn so notwendig gebraucht hätte. Vom Steinbruchertrag mußten jährlich 25 fl. nach Wolf­ratshausen bis zur Zurückzahlung des Geldes bezahlt werden. Der Kosten­voranschlag des Schlossermeisters Sebastian Scliäfler von Glonn betrug 719 fl. 16 kr., des Glasermeisters Johann Gartmayr 178 fl., des Zimmer­meisters Franz Wäsler von Glonn 1685 fl. 4q kr., des Maurermeisters Haller von Nurdhoffen (?) 3000 fl. Doch der erste Maurermeister scheint den Bau nicht zu Ende geführt zu haben, denn es ist ein zweiter Kosten­voranschlag vorhanden vom Maurermeister Martin Haidten in Schwaben zu 3132 fl. h2 kr. Am 27. April berichtet Pfarrer Häckl, daß die Kirche in Glonn durch das Geld von Wolfratshausen und durch das Almosen von drei Pfarrgemeinden bereits bis zur Bedachung fertig sei. Allein es fehle noch die vollständige Bedachung, das Gewölbe, der Giebel oder die Wetter­mauer, der Turin, die Verglasung, die Sakristei samt dein Chor; dieser sei zur Verrichtung des Gottesdienstes, so wie er war, stehen geblieben, doch so ruinös, daß man bei Regenwetter den Boden jedesmal überbrettern müsse. Am 29. April 1768 werden die Benefiziaten zu Moosach und zu St. Peter in München vom Landgericht veranlaßt auf den Zehent der näch­sten drei Jahre zu verzichten. Der Benefiziat von Moosach, Johann Michael Steinberger, jammert zwar über die harten Zeiten, aber er gibt, wie er sagt, nicht aus Schuldigkeit, sondern aus gutem Willen jährlich 10 fl. für die folgenden drei Jahre. Der Benefiziat zu St. Peter in München verzichtet für drei Jahre auf ein Drittel seines Zehent = 28 fl. 40 kr. Dagegen das Kloster Weihenstephan will nach einem sehr schön geschriebenen Brief des Abtes nichts nachlassen zum Glonner Kirchenbau, weil in Weihenstephan in diesem Jahr der Schauer geschlagen habe; ja er macht den Glonnern den Vorwurf, daß sie ein zu teures Gotteshaus bauen; es wäre ein Neubau gar nicht notwendig gewesen, eine Reparatur allein hätte auch genügt. Doch das Kloster mußte auf den Zehent verzichten. 1768 begab sich der Vorstand Schwabi nach Weihenstephan wegen der 3oo fl. Zehent, die zum Kirchen­bau Glonn für drei Jahre abgelassen werden mußten. Graf Fugger auf Zinneberg hatte auf drei Jahre den Zehent erlassen. Im Jahre 1768 wurden von Wohltätern 1494 f1. beigesteuert. Von Wolfratshausen wurden 1670 fl. aufgenommen. Im Oktober 1768 wurde der Turm mit dem Langhaus in gleicher Höhe aufgebaut, der Chor und das Gwölbe waren aber noch nicht

 

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aufgeführt. 3533 fl. waren bereits für den Kirchenbau ausgegeben, aber der Bau war noch lange nicht vollendet. Graf Cajetan Fugger richtete am 18. Juni 1768 an den Geistlichen Rat in München die Bitte, Kirchensamm­lungen vornehmen zu lassen. Vom 17. November 1768 heißt es, daß der Kirchenpropst Adam Dötsch, Bäck zu Glonn, für den Kirchenbau 3533 fl. ausgegeben habe und zur Vollendung des Baues noch 7602 fl. erforderlich seien.

Der zweite Maurermeister konnte den Bau auch nicht zu Ende führen; es kam ein dritter in der Person des Leonhard Matthäus Gießl, Hof­maurermeister in München, der am 3o. Januar 1770, im Auftrag des Geist­lichen Rates, in Glonn war und alles besichtigte. Das Langhaus ist nach sei­nem Bericht innen 65 Schuh lang und 35 Schuh breit. Mit dem Gewölbe war noch nicht angefangen, der Turm war nur so hoch wie die Kirche, die Fenster fehlten noch, alles stand dem Schneegestöber und den Regen­güssen auf allen Seiten offen. Man sollte deshalb, bevor man den alten Chor und die Sakristei abbräche, das Langhaus fertig machen. Da aber kein Geld vorhanden war, so sollte man alles so bald als möglich in einfacher Weise in einen Zustand bringen, daß nichts mehr Schaden leiden würde. Dazu waren aber 433 fl. notwendig. Vom 2. August 1770 heißt es in einem Brief des Pfarrers Doll von Glonn, daß das Gerüst in der Kirche schon zu faulen anfängt. Im Winter standen die Leute bis über die Schuhe in der Kirche im Schnee und Wasser. Im Jahre 5775 herrschte noch das gleiche Elend. Vors Büburg, Rentamt Landshut, sollten 1000 fl. und von Traun­stein 500 fl. zum Glonner Kirchenbau hergeliehen werden. Aber beide Orte weigerten sich, das Darlehen auszuleihen. Endlich am 7. März 1772 kamen die 5oo fl. von Traunstein. Die 1000 fl. von Büburg kamen nicht. Am 27. Januar 1773 richtete die Gemeinde wieder ein Bittgesuch an den Kur­fürsten um Anweisung von Darlehen. Es seien noch 4000 fl. notwendig. Am 7. Juli 1773 wird vorn Landgericht Schwaben der Maurermeister Gießl aus München gebeten, selbst nach Glonn zu kommen und den Bau zu leiten. 1773 mußte der Bau aus Mangel an Geld eingestellt werden. 865 fl. waren bis dahin eingegangen; die Gemeinde bat wiederholt um Hilfe. Auch in den folgenden Jahren ruhte der Bau. Erst im Jahre 1776 gingen 900 fl. ein und später noch 43o fl. Der Turm wurde noch um zehn Schuh höher ge­baut und die Glocken wurden dann hinaufgezogen; das ganze Dach mußte repariert werden, die Bretter wurden weggerissen und die Öffnungen mit Mörtel verstrichen. Die Pfarrkinder wurden durch den langwierigen Bau ganz unwillig und waren zu keiner Beihilfe mehr zu haben. Durch die lange Verzögerung waren die Kosten nur gewachsen, das Langhaus war allein un­ter Dach, der Turm war massiv gebaut und dessen Fundament bis auf das Wasser gegraben worden. Aber trotz des tiefen Fundamentes ruhte der Turm nicht fest genug; er hatte sich von der Seitenmauer schon bis ein halb Schuh losgerissen und immer größer wurde die Gefahr. Daher mußten starke Schleudern eingemauert werden. Wäre die Kirche nach dem ur­sprünglichen Plan ausgeführt, mit Ziegelsteinen gewölbt und mit den ver­schiedenen Gesimsen versehen worden, so wären noch 3500 fl. notwendig gewesen. Nun machte mau sich daran, das Langhaus mit einer Flachdecke zu versehen, einen neuen Chor daran zu bauen und den alten Chor zu einer

 

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Sakristei umzuwandeln. Dabei durfte das alte Gemäuer und das Gewölbe stehen bleiben, nur die Türe und die Fenster mußten an den gehörigen Ort gesetzt werden. Bei dem folgenden Abbruch mußte alles vermieden werden, was die Kosten vermehren könnte.

Ein vierter Maurermeister, Franz Anton Kirchgraber aus München, machte 1776 einen Kostenvoranschlag zur Fertigstellung der Kirche um 2217 fl. 50 kr. Und es wurde ihm diese Arbeit am 17. Dezember 1776 über­tragen. Der Turm wurde in kurzer Zeit mit einer Kuppel versehen, mit Schindeln gedeckt und mit einem eisernen Kreuz gekrönt. Im Winter rnußten von der ganzen Pfarrgemeinde, auch von den Filialen und der Epositur Jakobsbeuern, Hand- und Spanndienste gratis geleistet werden und im Früh­jahr 1777 machte man sich daran, den Bau der Vollendung entgegenzufüh­ren. Der Maurermeister baute 1777 zu gleicher Zeit die Kirche in Moosach. Am 4. Juli 1777 war ein Stück vom Turm heruntergeputzt; im Langhaus war das hölzerne Gewölbe gemacht und fein verputzt, die Mauern des Cho­res waren bis zum Dachstuhl fertig; das Gewölbe wurde in nächster Zeit aufgeführt. Am 3. Januar 1778 war die Kirche in Glonn in einem voll­kommen dauerhaften Zustand gebaut bis auf die Friedhofmauer, die auf 38o fl. zu stehen kommen sollte. Die Kosten für den Ausbau der Kirche, betrugen 2596 fl.

Pfarrer Doll von Glonn hatte dem Kirchgraber folgendes Zeugnis ausgestellt:

„Ich attestiere hiemit, daß der Maurermeister von München, Herr Franz Anton Kirchgraber allhiesiges Pfarrgotteshaus in Glonn nunmehr zum voll­kommenen Stand erbaut, verfertigt und hergestellt, mit aller Sparsamkeit den Bau veranstaltet und nicht nur das Langhaus mit einem Lattengewölbe bedeckt, den Turm ganz aufgeführt und das Geläut darein tun lassen, son­dern auch das Chor völlig neu aufgeführt, solches mit einem Ziegelgewölb bedeckt; die Kirche mit neuen Fenstern und Kirchtüren wie auch mit ande­ren Notwendigkeiten versehen, das Chor und Langhaus mit Ziegelpflasterstück gepflastert, in- und auswendig verputzt, auch den Turm also gleich­förmig gemacht, mithin alles vollkommentlich hergestellt außer den Freiyt­hof, wo gar wenig Mauer mehr vorhanden und auch dieses notwendig zu reparieren, wo alles zusammenfällt und es gar keinen Freiythof mehr gleicht. Obiges Attestatuin habe also Herrn Kirchgraber Baumeister gestätiges zu­stellen wollen. Glonn, den 17. November 1777. Joseph Doll Pfarrer allda.”

Kirchgraber hat für beide Kirchenbauten Glonn und Moosach 8000 fl. erhalten.

Das Glonner Kirchendach war in der Folgezeit stets das Schmerzens­kind in den Kirchenrechnungen und ist es zum Teil noch heute. Pfarrer Frank von Glonn sagt 1782 vom Kirchendach, daß es schlecht gemacht wurde. Die Ausbesserung des Daches kostete 5782 schon 213 fl. Am Lang­haus hatte man zehn Jahre gebaut mit einem Aufwand von über 7000 fl. Nun ging man auch daran, Dachrinnen anzuschaffen; dabei wurde aber be­merkt, daß unter hundert Kirchen kaum eine Kirche eine Dachrinne hatte.

Lieferanten zum Gotteshausbau, waren: Für Kalk: Melchior Neueither, Heckmaier; für Ziegelsteine: Josef Braunmüller, Ziegelmeister in Egma­ting; für Nägel: Franz Poyinger, Kramer in Glonn; für Schmiedearbeiten:

 

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Paul Strohl in Glonn, Peter Hackler in Balkham, Georg Maurer, Schmied in Laus; für Schlosserarbeiten: Sebastian Wäsler in Glonn; für die Fenster­gattern: Johann Dalcher, Hammerschmied in der Au, und Dominikus Hartl. Schlosser in Erding; für Kistlerarbeiten: Matthias Göttfried, Kistler in Glonn; für Scilerarbeiten: Matthias Pfatischer in Glonn; der, Gerichts­advokat Anton Paur von Schwaben erhielt 35 fl. für Verschaffung von Geldern.

Im Jahre i8oi waren bereits wieder 8400 Dachplatten zum Kirchendach notwendig; 153 fl. wurden für die Reparaturen genehmigt und im Jahre 1804 sogar 2061 fl. Diese Ausgaben erscheinen etwas hoch, nachdem doch die Kirche neu gebaut war und im Jahre 1795 bereits für das Dach 453 fl.. i8o3 wieder 563 fl. verwendet wurden. Ähnlich ging es in den folgenden Jahrzehnten, das Dach verursachte die meisten Ausgaben. Im Jahre 181 war die Kirche noch nicht ganz fertig. Erst 1823 ging sie ihrer Voilenciun entgegen, indem vom Maurermeister Hainzimair in Grafing das Pflaster gelegt und die Decke von Johann B. Beham, Maler in Aibling (geborner: Glonner), um den Preis von 200 fl. mit Bildern von mittelmäßiger Arbei: aus dem Leben des heiligen Johannes des Täufers geschmückt wurde. Erst jetzt konnte man daran gehen, die Kirche einzuweihen.

 

 

Die Einweihung der Kirche.

Fünfzig Jahre lang stand die Glonner Kirche, wenn auch nicht vollendet, uneingeweiht da. Ein langer Zeitabschnitt! Um 1800 waren bereits 82 fl. zur Kircheneinweihung gesammelt worden, allein man brauchte sie notwen­dig zu Kirchenreparaturen. Endlich am 17. August 1823 wurde die Kirche ­durch Erzbischof Lothar Anselm Freiherrn von Gebsattel eingeweiht Samstag den 16. August kam der Erzbischof mit seinem Sekretär Gelder unter Begleitung der Landwehr mittags 1 Uhr in Glonn an und stieg in Pfarrhof ab. Nach eingenommenem Mittagsmahl wurden um 4 Uhr die Reliquien eingesetzt. Am Sonntag den 17. August um 8 Uhr wurde der Erzbischof unter dem Traghimmel von der Landwehr zur Kirche begleitet wo sogleich die heiligen Zeremonien begannen. Zugleich wurden drei Altä-. geweiht; der Hochaltar zu Ehren des heiligen Johannes des Täufers mit Bei­setzung der Reliquien des heiligen Bonifatius; der linke Seitenaltar zu Ehr der allerseligsten Jungfrau Maria mit Beisetzung der Reliquien des heiligen Dignus; der rechte Seitenaltar zu Ehren des heiligen Andreas mit Beisetzun der Reliquien des heiligen Donatus. Von der feierlichen Benediktion Kirche im Jahre 1778 bis zur Konsekration 1823 war der Hochaltar nn mit einer ara portatilis (Tragaltar) versehen, da beim Mangel aller Mittel ein geeigneter Altar nicht beschafft werden konnte. Nach der Einweihung hielt der Erzbischof das Hochamt, dann folgte eine kleine Pause, nach w­elcher noch allen Kindern, die schon kommuniziert hatten, das heilige Sa­krament der Firmung gespendet wurde. Die Feier endete um halb 3 Uhr, worauf das Mittagsmahl stattfand. Daran nahmen teil:

 

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  1. Johann Kaspar Bader, Dechant und Pfarrer in Grafing.
  2. Beregis Dötsch, reg. Chorherr von Weyarn.
  3. Anton Daller, Pfarrer in Bruck.
  4. Max Satori, Pfarrer in Egmating.
  5. Korbinian Wäsler, Benefiziat in Moosach.
  6. Thomas Sehan, Pfarrer in Moosach.
  7. Lorenz Arnold, Expositus in Krügling.
  8. Xaver Schöpfer, Expositus in Antholling.
  9. Philipp Eyerschmalz, Provisor in Aying.

 

  1. Johann Nepomuk Kellner, Pfarrer in Glonn.

Am 18. August 1823 reiste der Erzbischof um 11 Uhr mittags nach Moosach, wo am 19. August die Kircheinweihung stattfand. Die Kirchein­weihung in Glonn kostete 24 fl. Der Chorregent von Grafing und das Musikpersonal erhielten 34 fl. 6 kr., die Ausspeisung der Geistlichen ko­stete 75 fl. 18 kr., für 40 Pfund Pulver wurden 24 fl. aufgewendet, der erzbischöfliche Sekretär erhielt 7 fl. 12 kr., der Kutscher mit vier Pferden auf zwei Tage 10 fl., der Lehrer und die Musikanten 14 fl. 24 kr.

Das Kirchweihfest wurde in Glonn früher am Sonntag nach Ulrich be­gangen; nun sollte es am Sonntag nach Mariä Himmelfahrt stattfinden, wofür besonders der Posthalter von Glonn eintrat, weil am Sonntag nach Ulrich die meisten Leute zum heiligen Leonhard nach Siegertsbrunn gin­gen. Allein 1831 wurde das Kirchweihfest wieder am Sonntag nach Ulrich gefeiert, bis 1866 das besondere Kirchweihfest ganz abgeschafft und dafür ein allgemeines eingesetzt wurde.

 

 

Die Kirchenrestauration.

War nun auch die Kirche endlich ganz fertiggestellt, so kamen doch in den nächsten Jahren schon Baureparaturen. 1827 wurden 280 fl. für Pfla­ster, Emporstiege, Weihbrunnenmuschel von Steinhauer Kipsel in Haid­hausen, 1834 für Deckung des Kirchturms mit Blech 209 fl. und für andere Reparaturen etwa 800 fl. ausgegeben. So ging es von Jahr zu Jahr fort, bis 1858 die Renovation durch den Glonner Maler Magnus Meßner um 2457 fl. in mittelmäßiger Arbeit vollzogen wurde. Dieser Maler verfertigte auch noch den Kreuzweg und starb gleich darauf am 28. Juni 186o. Auf seinem Grabstein in der Mauer auf der Südseite der Kirche steht:

 

„Kaum war geschmückt dieses Heiligtum,

So muß auch schon der Künstler sterben.

Die Kirche gibt ihm seinen Ruhm,

Es macht ihn Gott zu seinem Erben.”

 

1870 ging man daran den Glonner Kirchturm mit einer Spitze zu ver­sehen. Bereits 1866 wurde die Turmkuppel für baufällig erklärt und man war mehr zur Errichtung einer neuen Kuppel als einer Spitze geneigt. Alte

 

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Bild

Inneres der Kirche zu Glonn vor 1894

 

 

Männer sagten damals, daß der Turm auf Sand gebaut und schon 9 Zoll gesunken sei; daher sei er nicht imstande eine Spitze zu tragen. Die Ge­meinde wollte von dem Bau nichts wissen. Der Pfarrer von Glonn be­schwerte sich beim Bezirksamt, weil vom Glonner Kirchenvermögen immer Beiträge für andere Kirchen abgegeben werden mußten, während die eigene Kirche so vieles nötig hätte. Doch 1871 wurde der Kuppelturin in einen Spitzturm umgewandelt mit 2238 fl. Kostenvoranschlag; aber zur Aus­führung waren bei 3000 fl. erforderlich. Die Zimmerleute kosteten 590 fl. die Maurer 717 fl., Spängler 857 fl., das Turmkreuz von Marggraff in München geliefert 415 fl. Die freiwilligen Beiträge betrugen 400 fl.

Die letzte große Kirchenrestauration, die mehr als 30000 Mark kostete wurde am Markustage 1893 begonnen. Die ganze Restauration hatte der Kunstmaler Steiner von Fürstenfeldbruck um 17 650 Mark übernommen,

 

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Begonnen wurde mit dem Dach, welches vollständig erneuert wurde und 1743 Mark kostete. Hierauf wurden die Stukkaturarbeiten von Böhm, Schmucker, Capito und Hamm ausgeführt. Die Deckengemälde in Presby­terium (Krönung Mariens) und Schiff (Leben des heiligen Johannes) wur­den von den Kunstmalern Lessig und Ranzinger hergestellt um 3900 Mark. Der Hochaltar kostete 4000 Mark, die Bemalung der Wände 1350 Mark, die• beiden Seitenaltäre 2600 Mark, die Gemälde der vier Evangelisten je 100 Mark, die Kanzel 1700 Mark. Manches war in den Kostenvoranschlag nicht aufgenommen und so wurde die vereinbarte Summe überschritten. Herr Pfarrer Späth schrieb 1895, daß er bereits 26000 Mark ausbezahlt. hatte, aber vieles noch nicht fertig war; es fehlte noch das Pflaster, die Beichtstühle, der Kreuzweg, die Fenster. Er selbst wie die Gemeinde war mit der Ausführung der Arbeiten nicht zufrieden wegen der gewaltigen. Kostenüberschreitung und der schlechten Ausführung; denn im folgenden. Jahre schon verfärbte sich die Decke, der Gips löste sich los und fiel herab. Einen Teil der Schuld mag die schlechte Ventilation mit sich bringen, die höchst notwendig einer Besserung bedürfte. Kaum war die Kirche restau­riert, so mußten im nächsten Jahre schon wieder die Schäden ausgebessert werden. Dagegen ist die Ausführung der ganzen Restauration vorn künst­lerischen Standpunkt aus gut und wohl gelungen. Man wird in der Um­gebung kaum eine Kirche finden, die die Glonner Kirche an Schönheit und künstlerischer Pracht übertreffen würde. Die Deckengemälde sind groß­artig angelegt und wahrhaft künstlerisch ausgeführt; es ist nur schade, daß sie schon so früh verblassen. Der allgemeine Eindruck beim Betreten der Kirche ist ein wohltuender, erhebender, zum Gebet und zur Andacht stim­mender, was ja der Endzweck der kirchlichen Kunst sein soll.

Die Glonner Kirche wurde zwar erst von 1768-1777 gebaut, ist aber noch im Zopfstil ausgeführt worden; der sich ein Jahrzehnt hinziehendeBau mag dazu beigetragen haben. Die neue Kirchenrestauration wurde dagegen im Rokokostil ausgeführt. Die Kosten wurden durch 8000 Mark Kir­chengeld und freiwillige Beiträge gedeckt.

Möge dieser herrliche Gottesbau stets allen Pfarrkindern ein sicheres Wahrzeichen auf dem Wege des Heiles und eine beruhigende Zufluchtsstätte in den Tagen der Freude und des Leides sein.

Vor einigen Jahren ließ Herr Bäckermeister Josef Winhart auf dein. Staudenweberberg eine herrliche Lourdesgrotte aus Tuffsteinen herstellen. Diese in den Berg hineingegrabene Grotte ist von außen nicht sichtbar und in ihrer stillen Abgeschlossenheit zum einsamen Gebete einladend. Mit Wirk­samkeit vom 1. April 1928 wurden die Filialen der Pfarrei Egmating Mün­ster, Kreuz und Schlacht der Pfarrei Glonn einverleibt.

 

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